PdA Partei der Arbeit der Schweiz
PdT Parti suisse du Travail
PoP Parti ouvrier et populaire
PC Partito Comunista
Das Nein der PdA zur Senkung des Umwandlungssatzes für die 2. Säule ist ein grundsätzliches. Die PdA ist für das Nein, weil es am meisten Aussicht bietet, dass die Pensionskassen zugunsten einer vollwertigen AHV abgeschafft werden. Das sind unsere Argumente:
Die derzeitige Diskussion über die Senkung des Umwandlungssatzes bei den Pensionskassen berührt das wahre Problem nicht. Die Pensionskassen sind eine Fehlkonstruktion, die bloss den privaten Versicherungen, den Banken sowie den Finanz- und Pensionskassenexperten viel Geld in die Kasse spült. Die Pensionskassen müssen abgeschafft und dafür die AHV ausgebaut werden.
Die AHV ist eine solidarische Altersvorsorge. Jeder Arbeitnehmer, jede Arbeitnehmerin zahlt den gleichen Prozentsatz von seinem Lohn ein, die maximale Rente ist aber nur doppelt so hoch wie die minimale Rente. Herr Vasella zahlt daher 720 mal mehr als die am schlechtesten verdienende Putzfrau von Novartis, erhält aber nur die doppelte Altersrente.
Wer als Erwerbstätiger arm war, bleibt bei den Pensionskassen auch als Rentnerin arm. Jeder
erhält im Alter nur soviel wie er einbezahlt hat. Dieses Problem kann innerhalb der Pensionskassen nicht
gelöst werden. Die einzige Lösung ist die Abschaffung der Pensionskassen und der Ausbau der AHV.
Weiter werden nicht mal auf dem ganzen Lohn Beiträge einbezahlt. Wer an einer Arbeitsstelle nicht
mindestens 19 000 Franken pro Jahr verdient, hat gar keine Pensionskasse; wer bis 26 000 Franken
verdient, eine minimale Pension; wer darüber verdient, dem werden von seinem Einkommen 22 500
Franken abgezogen. Nur auf dem übrig bleibenden Teil des Einkommens werden Beiträge für die
Pensionskassen bezahlt. Daher erhalten Leute mit einem kleinen Einkommen oder mit zwei oder mehr
Teilzeitjobs keine oder bloss eine minimale Rente von der Pensionskasse.
Die Abschaffung der Pensionskassen löst das Problem grundsätzlich.
Die Pensionskassen machen die Arbeiterinnen und Arbeiter zu ihrem eigenen Feind. Im
Kapitalismus gibt es einen dauernden Kampf zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern um die
Verteilung des Mehrwertes, den die Arbeitenden erwirtschaften. Gewinnen die Arbeiterinnen diesen
Kampf, so sind die Löhne höher und die Firmengewinne tiefer. Für die AHV wirkt sich dies nur positiv
aus:
Es werden mehr Beiträge bezahlt. Für Pensionskassen hat dies auch eine negative Auswirkung, da bei
vielen bis zu einem Drittel des Vermögens in Aktien angelegt sind. Wenn die Firmengewinne sinken,
fallen auch die Aktienkurse. Die Pensionskasse gerät in Unterdeckung und muss von den
Beitragszahlenden saniert werden. Je nach Art der Sanierung erhalten die Beitragszahlenden momentan
weniger Lohn oder später eine tiefere Pension.
Pensionkassen legen einen Teil ihres Vermögens in Immobilien an. Dies ist ein Grund dafür, dass die
Immobilienpreise und damit auch die Mieten in den letzten Jahrzenten in der Schweiz viel schneller als
die Einkommen gestiegen sind.
Nur die Abschaffung der Pensionskassen kann verhindern, dass wir weiterhin unser eigenes Grab
schaufeln.
Die Pensionskassen benötigen auch eine riesige Bürokratie, die in der Schweiz pro Jahr zwischen
3 und 5 Milliarden Franken kostet. Geld, das von den Arbeitenden bezahlt wird, das sie aber nie mehr
sehen.
Kleine Betriebe haben gar keine Pensionskasse, sie sind bei sogenannten Sammelstiftungen
angeschlossen. Die meisten Sammelstiftungen werden von privaten Versicherungen geführt und zocken
die Leute gleich doppelt ab. Erstens kassieren sie pro Versicherten bis zu 800 Franken
Verwaltungskosten pro Jahr, zweitens dürfen sie auf den Kapitalerträgen der Versicherten noch
10 Prozent in die eigene Tasche fliessen lassen. So erstaunt es wohl nicht, dass der CEO der Swisslife
im hundsmiserablen Börsenjahr 2008 4 Millionen Franken verdient hat.
Grössere Betriebe haben eigene Pensionkassen, die ebenfalls eine Bürokratie brauchen. Bei ihnen ist
aber die Vermögensverwaltung noch teurer. Banken und andere Finanzverwalter legen das Geld an und
kassieren saftige Honorare dafür. Risiko tragen sie absolut keines. In den letzten Jahren investieren
Pensionskassen immer mehr Geld in Hedge Funds, die pro Jahr 1 bis 2 Prozent des angelegten Kapitals
als Vermögensverwaltungsgebühr kassieren. Zusätzlich kassieren sie in guten Jahren bis zur Hälfte
der
Rendite als Provision, in schlechten Jahren tragen die Pensionskassen die Verluste alleine.
Bei der Abschaffung der Pensionskassen fällt diese Bürokratie und Abzockerei ersatzlos weg.
Die
AHV kann mit dem gleichen Aufwand doppelt so hohe Prämien einnehmen und doppelt so hohe Renten
auszahlen.
Die AHV wird regelmässig an die Teuerung angepasst und ist daher inflationsgeschützt. Nicht so bei den
Pensionskassen: Deren Renten werden nicht an die Teuerung angepasst. Der Bundesrat hat vor rund
einem Jahr den Aktionären der UBS bis zu 68 Milliarden Franken in ihren schon fetten Arsch gestopft.
Auch in anderen Ländern haben sich die Manager und Aktionäre der Banken verzockt und Boni und
Dividenden kassiert, die gar nicht auf echten Gewinnen, sondern auf reinen Manipulationen beruhten. Die
Regierungen der USA und der europäischen Staaten haben auf eine überfällige Verstaatlichung der
Banken verzichtet und dafür Tausende von Milliarden ins marode Bankensystem gepumpt. Dies wird sich
in den nächsten Jahren durch eine hohe Inflation auswirken. Wenn die Inflation einiger Jahre
zusammengezählt 100 Prozent beträgt, dann ist die Rente bloss noch die Hälfte wert. Es wird dann
ziemlich nebensächlich sein, ob der Umwandlungssatz 6,4 oder 6,8 Prozent beträgt.
Nur die Abschaffung der Pensionskassen kann verhindern, dass uns der Bundesrat weiterhin so
einfach das Geld aus der Tasche ziehen kann.
Die Abschaffung der Pensionskassen und der Ausbau der AHV ist finanziell problemlos möglich.
Letztes Jahr hat die AHV für rund 30 Milliarden Renten bezahlt, für die Pensionskassen sind Prämien
von
fast 40 Milliarden Franken bezahlt worden. Wenn dieses Geld für die AHV bezahlt würde, könnten die
AHV Renten daher problemlos verdoppelt werden.Das bisher angehäufte Vermögen der Pensionskassen
würde für die Verdoppelung der Renten gar nicht gebraucht, es könnte nach einem fairen Schlüssel
zwischen Beitragszahlenden und Rentnern aufgeteilt werden. Jede Rentnerin und jeder Beitragszahlende
mit einem schon beträchtlichen Pensionskassenvermögen könnte selber entscheiden, ob sie sich ihren
Anteil ausbezahlen lassen und dafür weiterhin die bisherige AHV Rente erhalten will oder ob er seinen
Anteil der AHV zur Verfügung stellen und dafür die doppelte AHV Rente erhalten will.
Die Abschaffung der Pensionskassen erlaubt es uns, mit unserem Geld zu machen was wir wollen
und nicht was der Bundesrat und die Interessenvertreter der Banken und Versicherungen im
Parlament wollen.
Und noch zu guter Letzt: sollen wir zur Senkung des Umwandlungssatzes Ja oder Nein stimmen? Es gibt vordergründig ein Argument für ein Ja: Pensionskassen in Unterdeckung müssen saniert werden, die Arbeiter erhalten während der Sanierung weniger Lohn (z. B. SBB). Vom Arbeitgeber nicht ausfinanzierte Frühpensionierungen und Verlust an der Börse haben die Löcher in den Pensionskassen hauptsächlich verursacht. Wenn bloss zukünftige Rentnerinnen dafür bezahlen sollen, ist dies völlig willkürlich. Es gibt daher bessere Argumente für ein Nein: Nicht alle Pensionskassen sind in Unterdeckung, die privaten Versicherungsgesellschaften haben mit den Pensionskassen schon zuviel abgezockt, mit der Senkung des Umwandlungssatzes können sie noch mehr abzocken.
Ausschlaggebend ist für uns, was die Abschaffung der Pensionskassen beschleunigt. Dies ist eindeutig ein Nein; wird der Umwandlungssatz nicht gesenkt, kommen die Pensionskassen schneller in unlösbare Probleme und ihre Abschaffung wird möglich.
Daher werden wir zur Senkung des Umwandlungsatzes ein Nein einlegen.
Dieses Argumentarium wurde von der PdA Bern verfasst.
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17.08.2009