JA zur Ernährungsinitiative!
Der Sommer 2026 hat in der Schweiz sämtliche Hitzerekorde gebrochen – mit wochenlangen Hitzeperioden – und auch bei der Trockenheit neue Rekorde erreicht. Dabei handelt es sich nicht einfach um einen ungewöhnlich heissen Sommer, wie es ihn auch in der Vergangenheit gegeben hat, sondern um das, was mit der menschengemachten Klimaerwärmung zur neuen Normalität wird. Diese neue Realität hat sehr konkrete und verheerende Folgen: für die Menschen, deren Wohlbefinden und Gesundheit durch die Hitze beeinträchtigt werden; für die Wasserressourcen, die von Engpässen betroffen sind, die sich noch verschärfen werden, je wärmer und trockener das Klima in der Schweiz wird; für die Biodiversität; für die Landwirtschaft, die mit erheblichen Ertragseinbussen konfrontiert ist; sowie für die Tierhaltung.
Auf diese neue Realität will die Ernährungsinitiative Antworten geben – sinnvolle Antworten, denen man sich nur schwer entziehen kann, auch wenn sie mit gewissen Einschränkungen verbunden sind. Die Initiative sieht vor, dass zehn Jahre nach ihrem Inkrafttreten in der Schweiz ein Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent erreicht wird (gegenüber heute rund 43 Prozent). Dieses Ziel ist ehrgeizig, aber dennoch notwendig. Das heutige globalisierte Marktsystem – geprägt von industriellen Monokulturen, hochverarbeiteten Lebensmitteln und Transporten über Tausende von Kilometern – verursacht nicht nur erhebliche Schäden an Böden, Gewässern und Biodiversität sowie eine gewaltige Verschwendung. Es ist auch höchst unnachhaltig und wird heute durch die Aufteilung der Welt in gegnerische Machtblöcke, durch die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft und durch die zunehmende Zahl von Kriegen infrage gestellt, die den internationalen Handel unberechenbar machen. Eine möglichst weitgehende Selbstversorgung wird damit zu einer Frage der Ernährungssicherheit.
Um dieses Ziel zu erreichen, setzt sich die Initiative für eine lokale und nachhaltige Landwirtschaft nach einem ganzheitlichen Ansatz ein, der sich mit dem von der PdAS vertretenen Ansatz überschneidet: nachhaltige und klimafreundliche Landwirtschaft; Produktion von Lebensmitteln, die den lokalen Bedingungen und einer effizienten Nutzung der Ressourcen entsprechen; Förderung natürlicher und vermehrungsfähiger Pflanzen und Saatgutsorten; Erhaltung der Böden, Ressourcen, Ökosysteme und Biodiversität; grenzüberschreitende Handelsbeziehungen, die mit diesen Zielen vereinbar sind. Allerdings fordert sie auch «eine Landwirtschaft und einen Agrarsektor, die den Anforderungen des Marktes entsprechen», was ihre Möglichkeiten einschränkt.
Ein zweiter Schwerpunkt der Initiative ist die Erhaltung der Trinkwasserversorgung und ihr Schutz vor Verschmutzung, die durch das heutige nicht nachhaltige Produktionsmodell verursacht wird. Sie fordert den Schutz der unterirdischen Grundwasserressourcen. Angesichts der durch Pflanzenschutzmittel verursachten Verschmutzung begnügt sie sich mit der relativ moderaten Forderung, dem Bund zu verbieten, eine Überschreitung der Grenzwerte zu genehmigen, die er selbst im Jahr 2008 festgelegt hat.
Die Kampagne der Gegner:innen über einen angeblichen «Vegan-Zwang» basiert auf einer Lüge. Die Initiative sieht keineswegs ein Verbot von Fleisch oder seiner Produktion in der Schweiz vor, geschweige denn die Verpflichtung zum Veganismus. Zwar ist einer der in der Initiative vorgesehenen Ansätze, um einen Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent zu erreichen, die Förderung einer Ernährungsweise, die «vermehrt auf pflanzlichen Lebensmitteln» basiert («vermehrt» heisst nicht 100%!), sowie ein entsprechend angepasster Agrar- und Lebensmittelsektor (derzeit unterstützen 75 Prozent der für die Landwirtschaft in der Schweiz vorgesehenen Subventionen die Produktion tierischer Lebensmittel). Aber geht es ohne eine Umstellung? Die durchschnittliche Menge an tierischen Produkten, die pro Person in den Industrieländern konsumiert wird, ist nur dank der intensiven Tierhaltung möglich. Diese ist neben ethischen Problemen, Umweltverschmutzung und grossflächiger Abholzung auch für einen unvergleichlich höheren Verbrauch von Ackerland und Wasser verantwortlich als die Produktion einer entsprechenden Menge pflanzlicher Lebensmittel. Es ist ökologisch nicht nachhaltig, so weiterzumachen.
Die von der Initiative angestrebten Ziele sind zweifellos sehr ambitioniert und es wäre nicht einfach, sie zu erreichen. Aber die Realität zwingt uns zu diesen Massnahmen. Denn die Klimakrise ist dringlicher denn je und verschärft sich von Jahr zu Jahr. Das macht radikale und schnelle Veränderungen am System notwendig. Das ist sicherlich schwierig – aber die Zeit, in der ein schrittweiser und schmerzloser Wandel möglich war, ist vorbei. Je länger wir die notwendigen Veränderungen hinauszögern, desto brutaler und unumkehrbarer werden die Auswirkungen des Klimawandels und desto schwieriger werden die erforderlichen Veränderungen. Zweifellos wird es im Falle einer Annahme der Initiative ebenso schwierig sein, dafür zu sorgen, dass der Bundesrat und das Parlament sie im Einklang mit ihren Zielen umsetzen und dies nicht auf Kosten der Landwirt:innen geschieht, deren Situation bereits mehr als kompliziert ist (daher können wir die Vorbehalte ihrer Interessenvertretungen durchaus nachvollziehen). Dennoch sind wir der Ansicht, dass es keine andere Möglichkeit gibt, als diese Herausforderung anzunehmen. Darüber hinaus setzt die Initiative einen ausreichend verbindlichen Rahmen und sieht vor, dass die erforderlichen landwirtschaftlichen Veränderungen «sozial verträglich» und «vom Bund finanziert» werden.
Partei der Arbeit der Schweiz



